Maßloses wird möglich

Zu "Zweite Kurklinik befürwortet" (10.5.96 in der SZ) schreibt Peter Hildebrand, BUND Sächsische Schweiz, am 6.6. in einem Leserbrief an die Sächsische Zeitung:

Gesetze und staatliche Behörden sind dazu da, der Maßlosigkeit von Investoren und der Blindheit von Kommunen Einhalt zu gebieten. Das Gegenteil passiert erneut in der Nationalparkregion LSG Sächsische Schweiz. Umweltminister Arnold Vaatz befürwortet eine zweite große Kurklinik auf der Ostrauer Scheibe. So wird ein weiterer Landschaftsteil aus dem Schutzgebiet ausgegliedert und das größte Bauwerk der Sächsischen Schweiz an einer ihrer sensibelsten Stellen errichtet, von den Bergen ringsum einsehbar, mit dem schon überlasteten verkehrlichen Zugang durch die Felsengasse des Zahnsgrundes und mit vielfältigen Folgeproblemen.

Heimatverbundenheit und Integrität von Amtsinhabern verhinderten, als Ostrau nach der Jahrhundertwende schon einmal Objekt völlig überzogener Interessen war, eine Fehlentwicklung dieses Ortes. Heute, da solche Eigenschaften abhanden gekommen sind, wird Maßloses möglich. Die vereinte Verantwortungslosigkeit, die hier wirkt, fällt umso mehr ins Gewicht, da in unserer Zeit nichtzersiedelte Natur und Landschaft immer wichtiger und wertvoller werden. So infam wie demagogisch ist es, die Zerstörung solch kostbarer Besitztümer mit dem Argument der Arbeitsplatzbeschaffung zu bemänteln.

Das Projekt ist rechtswidrig und gegen jede regionalplanerische Vernunft gerichtet, es mißachtet die Prinzipien des sanften Tourismus und die Bedingungen für eine nachhaltige Entwicklung. Die entsprechenden Sachverhalte sind sowohl Umweltminister Vaatz als auch dem Innenministerium, also der Rechtsaufsichtsbehörde des Regierungspräsidiums vorgetragen worden; aber unbeachtet geblieben.


© Matthias Mann, 26.06.1996